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BIM zwischen Planung und Ausführung - und warum der Prozess auf der Baustelle oft endet
Koordinierte Modelle, abgestimmte Schnittstellen und digitale Planungsprozesse: In der Planung ist BIM bei vielen Projekten etabliert. Mit Beginn der Bauausführung werden Informationen jedoch häufig wieder ausgedruckt und auf Papier weitergegeben. Warum geht die digitale Arbeitsweise ausgerechnet dort verloren, wo die Planung in die Realität umgesetzt wird?
Zwischen Planungsanspruch und Kostendruck
Ein wesentlicher Grund liegt in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Während der Bauherr in der Planungsphase BIM als Qualitätsmerkmal fordert, steht bei der Vergabe der Bauleistungen häufig der Preis im Vordergrund. Werden digitale Arbeitsweisen nicht ausdrücklich vereinbart und vergütet, geraten sie gegenüber den etablierten Abläufen schnell ins Hintertreffen.
Für ausführende Unternehmen bedeutet BIM zunächst zusätzlichen Aufwand: Software und geeignete Endgeräte müssen bereitgestellt, Mitarbeiter geschult und Arbeitsabläufe angepasst werden. Diese Investitionen zahlen sich nicht bei jedem Auftrag unmittelbar aus. Besonders schwierig wird es, wenn der Auftraggeber zwar ein BIM-Modell verlangt, daraus aber keine konkreten Anforderungen an die Ausführung ableitet.
Damit entsteht ein Widerspruch: In der Planung wird in digitale Koordination investiert, während bei der Ausführung häufig nach dem günstigsten Angebot entschieden wird – ohne sicherzustellen, dass die dafür notwendigen digitalen Kompetenzen und Prozesse vorhanden sind.

BIM Modelle können über Tablets und entsprechende Software auch auf der Baustelle helfen
Der GU ist nicht das Ende der Prozesskette
Auch große Generalunternehmer (GU) können die digitale Arbeitsweise nicht allein sicherstellen. Bauleistungen werden regelmäßig an Nachunternehmer vergeben, die wiederum eigene technische Voraussetzungen, Softwarelösungen und Qualifikationsstände mitbringen.
Ein GU kann beispielsweise mit einem koordinierten Modell arbeiten, während ein Nachunternehmer seine Montage weiterhin anhand von PDF-Plänen organisiert. Werden Änderungen nicht zuverlässig in beide Arbeitsweisen übertragen, entstehen parallele Informationsstände. Die Vorteile der digitalen Koordination werden dadurch teilweise wieder aufgehoben.
Das Problem ist dabei nicht zwangsläufig fehlende Bereitschaft. Ein kleineres Fachunternehmen kann durchaus motiviert sein, digital zu arbeiten, ohne über die nötige Hardware, geschultes Personal oder wirtschaftlichen Spielraum für die Umstellung zu verfügen. Gleichzeitig muss geklärt sein, wer Modelle aktualisiert, welche Version auf der Baustelle maßgeblich ist und wie Änderungen an die beteiligten Gewerke gelangen.
BIM auf der Baustelle setzt deshalb voraus, dass die gesamte Vergabe- und Nachunternehmerstruktur berücksichtigt wird. Andernfalls endet die digitale Prozesskette nicht erst auf der Baustelle, sondern bereits bei der Weitergabe der Leistungen.
Anforderungen, die an der Praxis vorbeigehen
Eine weitere Ursache liegt in der Definition der BIM-Anforderungen. Auftraggeber und Planungsteams legen häufig früh fest, welche Informationen ein Modell enthalten soll. Die ausführenden Unternehmen werden jedoch teilweise erst beteiligt, wenn diese Vorgaben bereits feststehen.
Dabei unterscheiden sich die Informationsbedürfnisse je nach Projektphase und Aufgabe erheblich. Für die Koordination einer TGA-Anlage sind beispielsweise geometrische Informationen und Schnittstellen zu anderen Gewerken entscheidend. Für die Montage können zusätzlich konkrete Einbauinformationen, aktuelle Freigaben oder Angaben zum Ausführungsstand benötigt werden.
Ein höherer Detaillierungsgrad löst dieses Problem nicht automatisch. Entscheidend ist, ob die Informationen für den jeweiligen Anwendungsfall geeignet, verlässlich und zum richtigen Zeitpunkt verfügbar sind. Der Level of Information Need (LOIN) sollte deshalb nicht allein beschreiben, welche Informationen geliefert werden, sondern auch berücksichtigen, wofür sie benötigt werden.
Werden Ausführende frühzeitig eingebunden, lassen sich diese Anforderungen praxisnah festlegen. Das reduziert unnötigen Modellierungsaufwand und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die bereitgestellten Daten später tatsächlich genutzt werden.

Papierpläne und 2D sind auf der Baustelle nach wie vor die Praxis
Was sagt die Forschung?
Die Studie „Obstacles to BIM Adoption in Construction Production“ von Aina El Masry und Diana Chronéer untersucht Hindernisse bei der BIM-Nutzung in der schwedischen Bauausführung. Die 2025 in der Fachzeitschrift Buildings veröffentlichte Arbeit basiert unter anderem auf einer Befragung von 220 Fachleuten.
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Rahmenbedingungen: Fehlende klare Anforderungen, unzureichende Anreize und eine geringe Nachfrage seitens der Auftraggeber gehören zu den relevanten Hindernissen. Die Untersuchung zeigt damit, dass die Verfügbarkeit digitaler Werkzeuge allein keine durchgängige BIM-Nutzung gewährleistet.
Die Ergebnisse beziehen sich auf den schwedischen Kontext und lassen sich nicht ohne Weiteres auf den deutschen Baumarkt übertragen. Sie stützen jedoch einen wichtigen Ansatz für die Diskussion: BIM muss durch die Projektorganisation und die Anforderungen der Auftraggeber getragen werden, wenn es auch in der Ausführung Wirkung entfalten soll.
Quelle: El Masry, A.; Chronéer, D. (2025): „Obstacles to BIM Adoption in Construction Production: A Study of Swedish Construction Contractors’ Experiences“. Buildings, 15(18), 3288. https://doi.org/10.3390/buildings15183288
Vom Baustellenmodell zum Gebäudebetrieb
Mit der Fertigstellung eines Gebäudes endet der Nutzen eines BIM-Modells nicht zwangsläufig. Werden die tatsächlich ausgeführten Zustände und relevanten Anlageninformationen zuverlässig dokumentiert und übergeben, kann das Modell eine wichtige Grundlage für den späteren Gebäudebetrieb bilden und über Tools wie Autodesk Tandem verwaltet werden.
In Verbindung mit aktuellen Betriebs- und Sensordaten kann daraus ein digitaler Zwilling entstehen, über den sich beispielsweise Anlagenzustände überwachen und – bei entsprechender technischer Integration – Gebäudefunktionen steuern lassen. Voraussetzung dafür sind unter anderem aktuelle Bestandsdaten, geeignete Schnittstellen und eine passende Betriebsinfrastruktur.
Wird das Modell während der Ausführung dagegen nicht konsequent weitergeführt, fehlen möglicherweise genau jene Informationen, die für einen verlässlichen digitalen Gebäudebetrieb benötigt werden. Die Qualität der späteren Datengrundlage hängt somit auch davon ab, wie durchgängig der digitale Prozess auf der Baustelle umgesetzt wurde.

Software wie Autodesk Tandem verwalten digitale Zwillinge
Durchgängigkeit muss geplant werden
Ein funktionierender BIM-Prozess entsteht nicht allein durch die Übergabe eines Modells an den Generalunternehmer. Er erfordert frühzeitig abgestimmte Informationsanforderungen, realistische Budgets für die digitale Umsetzung und eine Einbindung der ausführenden Unternehmen – einschließlich der Nachunternehmer.
Ebenso müssen Zuständigkeiten, Modellstände und die praktische Nutzung der Informationen geregelt sein. Nur wenn diese Voraussetzungen geschaffen werden, kann das Modell von der Planung über die Ausführung bis in den Gebäudebetrieb einen kontinuierlichen Mehrwert liefern.